03.05.2018

Renovierung

Herzog und Caron15 Jahre nach ihrer Eröffnung wird die Opernscheune, das Betriebsgebäude der Eutiner Festspiele, jetzt umfassend renoviert. Die teilweise bereits neue Optik haben Besucher gleich in der Konzertkasse vor Augen: Dort sorgen ein mit warmtönigen Holzleisten verzierter, indirekt beleuchteter Verkaufstresen und eine einheitlich moderne Büromöblierung für ein helles, aufmunterndes Entree.

„Wir wollen unseren Kunden nicht nur im persönlichen Gespräch, sondern auch durch ansprechend gestaltete Räumlichkeiten eine freundliche Atmosphäre bieten. Das gilt natürlich auch für alle Mitarbeiter und Künstler hier. Für alle sollen die Festspiele Wohlfühl-Charakter ausstrahlen", sagte Geschäftsführer Falk Herzog am Donnerstag in einer Pressekonferenz.
Frische Anstriche auf den Wänden, neuer Teppichboden in den Fluren, moderne Leuchten an den Decken sowie eine komplett erneuerte Bürotechnik sind die ersten sichtbaren Zeichen der Frischzellenkur für die Opernscheune. Bis zu Beginn der Proben soll auch die Kantine runderneuert strahlen, mit weißen Tischen und Hochstühlen. Nach einer Pause während der Spielzeit soll die Renovierung fortgesetzt werden. Auch für die Probebühne sind Verbesserungen geplant.
Die Marketing-Leiterin Ulrike Horstmann sagte, dass die Renovierung der immer wieder in Eutin zu hörenden Kritik, dass es mit den Festspielen und der Opernscheune nur noch bergab gehe, den Boden entziehe. Sie betonte, dass die Kosten gingen nicht zu Lasten der Festspiele gingen. Der Eigentümer der Opernscheune fühle sich verpflichtet, hier für eine angemessene Ausstattung zu sorgen. Auch davon verspreche man sich eine inspirierende Wirkung: „In einer schönen Umgebung lässt es sich besser arbeiten, das dürfte gerade für kreative Geister ein Ansporn sein. Die Festspiele erneuern sich buchstäblich von innen heraus und werden diesen Aufbruchwillen Schritt für Schritt auch nach außen tragen."

 

Vorverkauf beflügelt die Eutiner Festspiele

Kartenzentrale2018Zwei Monate vor der Eröffnung ihrer 68. Saison auf der Seebühne herrscht bei den Eutiner Festspielen auch in wirtschaftlicher Hinsicht Optimismus. „Der Vorverkauf läuft richtig verheißungsvoll. Aktuell haben unsere Kunden bereits 12.397 Karten erworben, das ist mehr als eine Verdopplung im Vergleich zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres", sagte Pressesprecherin Ulrike Horstmann am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in der Opernscheune.
Bei insgesamt 17 Vorstellungen von „My Fair Lady" und „La Travivata" sowie einem Galaabend sind auf der 1886 Sitze bietenden Tribüne maximal knapp 34000 Plätze verfügbar; mit dem jetzigen Buchungsbestand ist eine Auslastung von 35 Prozent erreicht. Damit erscheint nach Horstmanns Worten die Planung, zur Deckung der Kosten eine Auslastung der Tribüne von 62 Prozent zu erzielen, durchaus realistisch. Horstmann: „Der Absatz von noch einmal 10.000 Karten von jetzt bis Ende August ist zwar ehrgeizig, aber nach einem alten Erfahrungssatz der Festspiele belebt sich, normale Wetter- und Aufführungsverhältnisse vorausgesetzt, die Nachfrage mit Beginn der Saison noch einmal erheblich."
Die bisher deutliche Steigerung des Kartenumsatzes begründete Horstmann mit verschiedenen Komponenten. Vorrangig zu nennen sei dabei der Spielplan, der mit dem erstmals in Eutin auf dem Programm stehenden Musical „My Fair Lady" und der Verdi-Oper „La Traviata" zwei weltweit beim Publikum erfolgreiche Werke biete. Zudem habe es zum Ende der vorigen Spielzeit erstmals seit Jahren keine Zweifel am Fortbestand der Festspiele mehr gegeben, außerdem habe der von Mitte Oktober bis Anfang Dezember streng befristete Frühbucherrabatt viele Stammkunden gereizt. Und seit Februar erweise sich der im Internetportal der Festspiele neu installierte Online-Verkauf als überaus wirksam. Erstmals können Festspiele-Kunden jetzt für alle Vorstellungen die Platzbelegungen einsehen, selbst ihre Wunschplätze buchen und die Karten auch ausdrucken.
Ulrike Horstmann: „Wir registrieren erfreulich viele Buchungen zu Zeiten, an denen unsere Konzertkasse gar nicht besetzt sein kann. So sehr wir den direkten Kundenkontakt am Telefon oder im Kassenraum schätzen, so einfach ist es jetzt für viele Interessenten, Karten dann zu erwerben, wann es ihnen passt. Klar zu sehen ist, dass dies vor allem abends und an Wochenenden der Fall ist."

 

Festspiele arbeiten an solider Zukunft

Die Eutiner Festspiele investieren in die Zukunft: Mit externer Beratungshilfe wollen sie bis Jahresende eigene Leitlinien für eine attraktive Ausrichtung ihres Programms, ihrer Organisation und ihres öffentlichen Erscheinungsbildes erarbeiten. Das Ziel ist klar: „Wir wollen beim Publikum nicht nur zählbaren Erfolg haben, sondern auch wieder in Norddeutschland zum festen Begriff für musikalische Qualität und niveauvolles Freizeitvergnügen werden", sagte Geschäftsführer Falk Herzog am Donnerstag in einer Pressekonferenz.
Die dafür notwendige Unternehmensstrategie soll durch einen intensiven Beratungsprozess geformt und verbindlich festgelegt werden. Das haben die drei Anteilseigner der gemeinnützigen Neue Eutiner Festspiele gGmbH (NEF) einmütig beschlossen und entsprechende Mittel eingeplant; das Land unterstützt diese Grundlagenarbeit, die nach Herzogs Worten „der soliden Zukunftssicherung der Festspiele dienen wird", mit insgesamt 10.000 Euro Förderung.
Mit diesem Vorhaben wollen die Eutiner Festspiele nach Jahren der mühevollen Konsolidierung zielbewusst nach vorne blicken. Falk Herzog: „Wir haben die Saison 2017, nicht zuletzt dank erfreulich hoher Spendeneinnahmen, mit einem kleinen Bilanzgewinn abgeschlossen und können erstmals wieder mit einer soliden Finanzausstattung in die neue Spielzeit gehen. Wir wissen aber, dass wir noch viel zu tun haben werden, um den von
vielen Besuchern beklagten Mangel an Aufenthaltsqualität bei den Veranstaltungen auf der Freilichtbühne abzustellen. Die Tribüne von 1975 ist einfach in die Jahre gekommen; für einen Neubau aber, den unsere Vorgänger bereits 2005 ins Auge gefasst hatten, müssen wir den Fördergebern sichtbar beweisen, dass sich diese Investition für vielfältige Unterhaltungskultur in Eutin dauerhaft lohnen wird. Den ersten Schritt dafür machen wir mit dem gerade gestarteten Beratungsprozess."
Nach einer Ausschreibung haben die Festspiele den Auftrag der in München ansässigen Beratungsfirma actori GmbH erteilt. Sie hat sich als Unternehmensberatung in Sachen Positionierung, Programm, Marketing und Sponsoring bei bundesweit renommierten Kulturinstitutionen einen Namen gemacht. Neben einer Bestandsaufnahme der Stärken und Schwächen im Programm und Image der Eutiner Festspiele sind Analysen zur Kostenstruktur, zur Organisationsform sowie BenchmarkVergleiche mit Musiktheatern ähnlicher Größenordnung geplant. Aufgrund der Ergebnisse und der Entwicklungen auf dem Kulturmarkt soll dann unter Betrachtung verschiedener Varianten herausgearbeitet werden, mit welchen Inhalten und in welcher die Festspiele künftig beständig agieren sollten.

An einer Tradition soll dabei aber, wie Geschäftsführer Falk Herzog betonte, keinesfalls gerüttelt werden: „Unser Markenkern war und bleibt die publikumsnahe Aufführung klassischer Opern. Aber klar ist auch, dass wir daneben andere, auch für jüngere Generationen leicht zugängliche Werke des Musiktheaters bieten müssen. Eine Erneuerung der Freilichtbühne würde dafür natürlich viele Optionen erleichtern."

Wie Herzog mitteilte, haben die actori-Vertreter bereits erste Gespräche zum Thema Festspiele geführt, darunter mit Landrat Reinhard Sager, Bürgermeister Carsten Behnk und OHTGeschäftsführerin Katja Lauritzen sowie anderen langjährigen Kennern der Eutiner Opernszene. Weitere Interviewtermine seien bis Mitte Juni fest vereinbart, zu Wort kämen dabei auch so hochkarätige Experten wie Prof. Dr. Sebastian Nordmann, Intendant des Konzerthauses am Berliner Gendarmenmarkt. Falk Herzog: „Wie andere auch hat sich Herr Nordmann, der ja bestens vertraut ist mit unseren Festspielen, auf die Anfrage sofort zum Gespräch mit actori bereit erklärt. Für dieses Engagement sind wir allen Interviewpartnern dankbar."

18.04.2018

Nachruf

Siegfried Grote Portrait CMYK.jpg kleinTraurige Nachricht für alle Freunde der Eutiner Festspiele: Der langjährige Intendant Siegfried Grote ist am Dienstag in seiner Heimatstadt Gelsenkirchen an den Folgen einer Sturzverletzung gestorben. Er wurde 87 Jahre alt.

Siegfried Grote bestimmte von 1989 bis 2004 meisterhaft das künstlerische Geschehen auf der Freilichtbühne. Er führte hier bei zwei Dutzend Opern, Operetten und dem Musical „Anatevka" Regie, entwarf dafür Bühnenbilder, arbeitete auch als Dramaturg; vor allem aber sorgte er immer ebenso verständnisvoll wie ordnend für eine familiäre Wohlfühl-Stimmung im Ensemble. Unter seiner kundigen Führung erlebten die Festspiele die bislang erfolgreichsten Jahre ihrer Bühnengeschichte.

„Siegfried Grote hat den Festspielen viel Wärme und Substanz gegeben. Er hat hier mit seiner großen Liebe zur Musik eine Ära geprägt. Sein Tod ist für die Festspielfamilie und viele Menschen in Eutin ein schmerzlicher Verlust. Unser Mitgefühl gehört seiner Ehefrau Brigitte und den Angehörigen", sagte Festspiele-Intendantin Dominique Caron in einem offiziellen Nachruf aus der Opernscheune.

Die Musik hat Siegfried Grote ein Leben lang auf Du und Du begleitet. Noch im hohen Alter bekannte er, dass ihn „La Bohème" immer wieder zu Tränen rühre: „Ich weiß genau, was passiert, aber wenn bei Mimi das letzte Lebenslicht erlischt, dieser Stillstand, diese Totenstille, und dann setzt das Orchester mit einem Fortissimo ein, das erleb' ich immer wieder neu." Genauso treu blieb Siegfried Grote seinem Regie-Prinzip, „nicht mich selbst, sondern Werke zu interpretieren: Verdi wie Verdi, Weber wie Weber."

Als Junge lernte er Klavier spielen, dann studierte er an der Folkwang-Hochschule in Essen Musik und Theaterwissenschaften. Seine erste eigene Regiearbeit war Puccinis „Madame Butterfly" in Gelsenkirchen, von wo er nach sechs Spielzeiten an die Bühnen der Stadt Essen wechselte und nebenbei auch als Dozent an künstlerischen Hochschulen zu arbeiten begann. Seine Theaterkarriere führte ihn in der Folge von Flensburg bis Augsburg, von den Niederlanden bis Österreich. Dabei entwickelte er ein besonderes Faible fürs Freilichttheater, mit langjährigen Stationen in Tecklenburg und Schloss Weikersheim.

Nahezu folgerichtig kam der „Mann des Theaters" dann nach Eutin. Unter drei Bewerbern wurde Siegfried Grote im Juni 1988 mit großer Mehrheit von den Gesellschaftern der Eutiner Festspiele GmbH zum Nachfolger des damaligen Intendanten Gerd Nienstedt gewählt. Er hatte bereits 1983 als Gastregisseur mit Lortzings „Zar und Zimmermann" in Eutin großen Eindruck gemacht – eine Oper, mit deren volkstümlich gescheiter Inszenierung Grote drei Jahre in Folge ab 1993 einen veritablen Publikumsrenner für Eutin schuf und mit der er sich nach 16 beifallsumrauschten Spielzeiten unter den Augen des damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler im August 2004 als Meister der Freilichtbühne verabschiedete.

Als feinsinniger, in allen Bereichen des Musiktheaters bewanderter Allroundkünstler und durch seine unnachahmlich menschliche Umgangsweise hat sich Siegfried Grote in Eutin bleibendes Andenken und darüber hinaus eine große Freundesschar in der Welt der Musik erworben. Gerhard Voss, der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Eutiner Festspiele GmbH. formulierte bei einem Festakt im April 2005 die hohe Wertschätzung für seinen langjährigen Kompagnon in der Führung der Festspiele treffend so: „Siegfried Grote hat sich bereits zu Lebzeiten in Eutin als Intendant und Regisseur als Glücksfall für die Festspiele ein Denkmal gesetzt."

29.03.2018

Festspiel-Kulisse entsteht Stück für Stück

Buehnenbau-kleinDie Vorfreude bei den Eutiner Festspielen auf den Sommer wächst handfest: In dieser Woche sind die ersten Bestandteile der Bühnenbilder für „My Fair Lady" und „La Traviata" an der Opernscheune abgeladen worden. Die weiteren Bauteile, die vom Bau-Service Arend Knoop angefertigt werden, sollen nach Ostern ebenfalls in dem ehemaligen Kuhstall auf dem Alten Bauhof zwischengelagert werden.

Intendantin Dominique Caron betrachtet die noch unbemalten Holzteile erfreut als „nackte Vorboten" der kommenden Spielzeit: „Ich bin immer froh, wenn die Handwerker das Grundgerüst für unser Bühnengeschehen liefern." Auch Firmenchef Arend Knoop, zugleich technischer Leiter bei den Eutiner Festspielen, ist zufrieden: „Wir sind voll im Zeitplan. Das Aufstellen der Kulissen auf der Freilichtbühne wird zwar noch ein kleiner Kraftakt, aber das bekommen wir alles gut hin."

Seit März haben seine Mitarbeiter in einer Werkhalle in Langenhagen fleißig an der Realisierung der Pläne gearbeitet, die Bühnenbildnerin Ursula Wandaress entworfen hat. Sie hat bereits in den Vorjahren die Kulissen und Kostüme für die Inszenierungen bei den Festspielen konzipiert; Arend Knoop ist also damit vertraut, die von der Bühnenbildnerin auf Papier gezeichneten und im Modell anschaulich gemachten Vorstellungen maßstabsgerecht „in echt" entstehen zu lassen.

(Bild oben: Ole Kwiatkowski (rechts) packt mit seinen Helfern Wilhelm Knoop (links), Kim Kroll, Tim Schwardt und Jürgen Nawrotzki (hinten rechts) kräftig an, um die Holzelemente im ehemaligen Kuhstall sorgsam zu lagern.(c)NEF)

Dass dabei gelegentlich die Praxis andere Wege nahelegt, als in der der Planung vorgedacht, gehört zum Alltag in der Werkstatt. Arend Knoop: „Dann telefonieren wir und sprechen die notwendigen Änderungen ab. Ich sage immer: Wir haben keine Probleme, wir bewältigen sie."

Spätestens Mitte April sollen alle Einzelteile für die Bühnenbilder produziert und aus Langenhagen nach Eutin transportiert sein. Dann werden darin Dachlatten in einer Gesamtlänge von 2.5 Kilometer, 170 Sperrholzplatten in einer Grundfläche von 600 Quadratmetern und rund 30.000 Schrauben verbaut sein, um nur einige Zahlen für den Materialbedarf zu nennen.

Vorsstellung Kulisse 2018 Ursula Wandaress c NEFSpezielle Anforderungen stellte die Vorgabe von Ursula Wandaress, für die Pariser Salonszenen in „La Traviata" eine Reihe von Spiegelflächen in den Kulissenbau zu integrieren. Da die Bühnenbilder stabil und wetterfest genug sein müssen für den schnellen und wiederholten Auf- und Abbau, kam Glas nicht in Frage. Arend Knoop testete mehrere Ersatzlösungen aus selbstklebender Spiegelfolie auf seine einfallsreiche Art: „Ich habe ein Muster ein Wochenende in die Badewanne gelegt, das hielt das überhaupt nicht aus. Ein anderes schlug Wellen, aber das dritte hielt alles aus. Das nehmen wir jetzt."

Der nächste Arbeitsschritt erfolgt im alten Kuhstall an der Opernscheune: Dort werden die Holzteile grundiert, bevor der bei den Festspielen bereits erprobte Bühnenmaler Alp Arslan Tokat ihnen die endgültige Farb- und Dekorgebung verpasst. Das geschieht dann überwiegend schon auf der Freilichtbühne, wo Anfang Mai bereits der Spielboden und das Grundgerüst der Kulissen fest installiert werden sollen. Alles nicht so ganz einfach, weil die Bühnenfläche von Natur aus nicht eben ist. Aber Arend Knoop ist gewohnt optimistisch: „„Das wird noch eine ordentliche Anstrengung, aber wir haben genug Erfahrung, die Spielstätte rechtzeitig herzurichten."

(Bild rechts: Ursula Wandaress und Intendantin Dominique Caron begutachten das Modell, nach dem das Bühnenbild für „My Fair Lady“ von Arend Knoop und seinem Team bis Anfang Mai hergestellt wird. (c)NEF)

13.03.2018

Wie Dominique Caron das Ensemble für die 68. Spielzeit formt

Hardy Rudolz Dominique Caron  13.03.2018Von Chile bis Finnland, von Portugal bis Australien – so weltumspannend wie selten zuvor sind viele Hauptrollen bei der Eutiner Festspielen im kommenden Sommer besetzt. Intendantin Dominique Caron, als gebürtige Französin mit US-Staatsbürgerschaft und deutscher Berufskarriere selbst Weltbürgerin, freut sich auf das internationale Sängertreffen an der Freilichtbühne: „Ich bin sicher, dass sich unser Ensemble schnell zusammenfinden und mit hoher künstlerischer Qualität das Publikum begeistern wird.“

Seit Oktober war sie auf der Suche nach den passenden Solisten für die Verdi-Oper und für das Musical „My Fair Lady“, letzteres oft im Duett mit ihrem Regie-Kollegen Hardy Rudolz. Caron hat sich diverse Aufführungen in deutschen Opernhäusern angesehen, hat Künstleragenturen kontaktiert, hat bei zahlreichen Vorsing-Terminen in Hamburg und in Musikhochschulen nach ihren Idealbesetzungen geforscht. Ihr Anspruch dabei: „Ich muss fest überzeugt sein, dass ein Sänger, eine Sängerin auf die Bühne hier in Eutin passt und das Publikum fesseln kann. Das herauszufinden ist mein Steckenpferd und Beruf.“
Bei der Auswahl der Solisten hat die Opernexpertin neben Kriterien wie Teamfähigkeit, Wetterfestigkeit und Bühnenpräsenz eine ganz eigene Sichtweise fürs große Ganze entwickelt: „Ich suche nach Künstlern, die miteinander agieren und sich gegenseitig zu Höchstleistungen anspornen. Denn was hat ein guter Sänger und erst recht das Publikum davon, wenn die anderen gegen ihn abfallen?“
Keine ganz großen Namen, aber immer große Stimmen und große Talente – das ist seit Jahrzehnten die Güteklasse der Eutiner Festspiele. Caron verspricht, in der 68. Spielzeit diese Tradition fortzusetzen. Das gilt besonders für das tragische Liebespaar in „La Traviata“: Die lange in Magdeburg tätige Sopranistin Hale Soner reist aus Istanbul an, um auf der Freilichtbühne die Hauptfigur Violetta Valéry zu verkörpern, aus Santiago de Chile stammt der Tenor Carlos Moreno Pelizari, der Violettas Geliebten Alfredo Germont darstellt. Caron: „Beide werden in Gestalt und Stimmklang ein homogenes Duo bilden.“
Während Verdis Oper in italienischer Sprache gesungen wird, kommt das von Frederick Loewe komponierte Musical „My Fair Lady“ in deutscher Sprache zur Aufführung. Entsprechend dominieren in dieser Besetzungsliste Künstler deutscher Nationalität; die Hauptrolle der Eliza Doolittle interpretiert die junge Sopranistin Désirée Brodka, den Professor Higgins spielt der vielerorts erfahrene Bariton Guido Weber. Beide Sänger haben, ebenso wie das türkisch-chilenische Spitzengespann in „La Traviata“, diese Solo-Partien schon an mehreren Bühnen erfolgreich gestaltet.
Die Rollenerfahrung ist für die Eutiner Intendantin ein dicker Pluspunkt bei der Besetzungswahl. Caron: „Da wir nur wenig Zeit für die Proben haben, ist die Vertrautheit mit einer Hauptrolle von Vorteil.“ Als einziger aus dem neuen Ensemble hat Manos Kia, der in der „Traviata“ den Part von Vater Germont singt, eine Art Heimvorteil: Der deutsch-iranische Bariton ist schon mehrfach auf der Freilichtbühne aufgetreten. Ein Coup gelang Dominique Caron mit dem Engagement der Talk-op-platt-Moderatorin Gerlind Rosenbusch: Sie wird Mrs. Higgins verkörpern. Die komplette Besetzungsliste wird in Kürze auf der Internetseite der Eutiner Festspiele veröffentlicht.
Carons Vorfreude auf die im Juni beginnende Probenarbeit ist ebenso spürbar wie ihre Erleichterung, dass wichtige Personalentscheidungen nun getroffen und die Verträge für die Solorollen unter Dach und Fach sind. „Ein gutes Ensemble beflügelt jeden Regisseur. Sobald die Besetzung klar ist, kann ich mich auf die Rollengestaltung konzentrieren“, nimmt die Intendantin ihre nächste Arbeitsphase in den Blick - die Inszenierung von „La Traviata“.