18.04.2018

Nachruf

Siegfried Grote Portrait CMYK.jpg kleinTraurige Nachricht für alle Freunde der Eutiner Festspiele: Der langjährige Intendant Siegfried Grote ist am Dienstag in seiner Heimatstadt Gelsenkirchen an den Folgen einer Sturzverletzung gestorben. Er wurde 87 Jahre alt.

Siegfried Grote bestimmte von 1989 bis 2004 meisterhaft das künstlerische Geschehen auf der Freilichtbühne. Er führte hier bei zwei Dutzend Opern, Operetten und dem Musical „Anatevka" Regie, entwarf dafür Bühnenbilder, arbeitete auch als Dramaturg; vor allem aber sorgte er immer ebenso verständnisvoll wie ordnend für eine familiäre Wohlfühl-Stimmung im Ensemble. Unter seiner kundigen Führung erlebten die Festspiele die bislang erfolgreichsten Jahre ihrer Bühnengeschichte.

„Siegfried Grote hat den Festspielen viel Wärme und Substanz gegeben. Er hat hier mit seiner großen Liebe zur Musik eine Ära geprägt. Sein Tod ist für die Festspielfamilie und viele Menschen in Eutin ein schmerzlicher Verlust. Unser Mitgefühl gehört seiner Ehefrau Brigitte und den Angehörigen", sagte Festspiele-Intendantin Dominique Caron in einem offiziellen Nachruf aus der Opernscheune.

Die Musik hat Siegfried Grote ein Leben lang auf Du und Du begleitet. Noch im hohen Alter bekannte er, dass ihn „La Bohème" immer wieder zu Tränen rühre: „Ich weiß genau, was passiert, aber wenn bei Mimi das letzte Lebenslicht erlischt, dieser Stillstand, diese Totenstille, und dann setzt das Orchester mit einem Fortissimo ein, das erleb' ich immer wieder neu." Genauso treu blieb Siegfried Grote seinem Regie-Prinzip, „nicht mich selbst, sondern Werke zu interpretieren: Verdi wie Verdi, Weber wie Weber."

Als Junge lernte er Klavier spielen, dann studierte er an der Folkwang-Hochschule in Essen Musik und Theaterwissenschaften. Seine erste eigene Regiearbeit war Puccinis „Madame Butterfly" in Gelsenkirchen, von wo er nach sechs Spielzeiten an die Bühnen der Stadt Essen wechselte und nebenbei auch als Dozent an künstlerischen Hochschulen zu arbeiten begann. Seine Theaterkarriere führte ihn in der Folge von Flensburg bis Augsburg, von den Niederlanden bis Österreich. Dabei entwickelte er ein besonderes Faible fürs Freilichttheater, mit langjährigen Stationen in Tecklenburg und Schloss Weikersheim.

Nahezu folgerichtig kam der „Mann des Theaters" dann nach Eutin. Unter drei Bewerbern wurde Siegfried Grote im Juni 1988 mit großer Mehrheit von den Gesellschaftern der Eutiner Festspiele GmbH zum Nachfolger des damaligen Intendanten Gerd Nienstedt gewählt. Er hatte bereits 1983 als Gastregisseur mit Lortzings „Zar und Zimmermann" in Eutin großen Eindruck gemacht – eine Oper, mit deren volkstümlich gescheiter Inszenierung Grote drei Jahre in Folge ab 1993 einen veritablen Publikumsrenner für Eutin schuf und mit der er sich nach 16 beifallsumrauschten Spielzeiten unter den Augen des damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler im August 2004 als Meister der Freilichtbühne verabschiedete.

Als feinsinniger, in allen Bereichen des Musiktheaters bewanderter Allroundkünstler und durch seine unnachahmlich menschliche Umgangsweise hat sich Siegfried Grote in Eutin bleibendes Andenken und darüber hinaus eine große Freundesschar in der Welt der Musik erworben. Gerhard Voss, der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Eutiner Festspiele GmbH. formulierte bei einem Festakt im April 2005 die hohe Wertschätzung für seinen langjährigen Kompagnon in der Führung der Festspiele treffend so: „Siegfried Grote hat sich bereits zu Lebzeiten in Eutin als Intendant und Regisseur als Glücksfall für die Festspiele ein Denkmal gesetzt."

29.03.2018

Festspiel-Kulisse entsteht Stück für Stück

Buehnenbau-kleinDie Vorfreude bei den Eutiner Festspielen auf den Sommer wächst handfest: In dieser Woche sind die ersten Bestandteile der Bühnenbilder für „My Fair Lady" und „La Traviata" an der Opernscheune abgeladen worden. Die weiteren Bauteile, die vom Bau-Service Arend Knoop angefertigt werden, sollen nach Ostern ebenfalls in dem ehemaligen Kuhstall auf dem Alten Bauhof zwischengelagert werden.

Intendantin Dominique Caron betrachtet die noch unbemalten Holzteile erfreut als „nackte Vorboten" der kommenden Spielzeit: „Ich bin immer froh, wenn die Handwerker das Grundgerüst für unser Bühnengeschehen liefern." Auch Firmenchef Arend Knoop, zugleich technischer Leiter bei den Eutiner Festspielen, ist zufrieden: „Wir sind voll im Zeitplan. Das Aufstellen der Kulissen auf der Freilichtbühne wird zwar noch ein kleiner Kraftakt, aber das bekommen wir alles gut hin."

Seit März haben seine Mitarbeiter in einer Werkhalle in Langenhagen fleißig an der Realisierung der Pläne gearbeitet, die Bühnenbildnerin Ursula Wandaress entworfen hat. Sie hat bereits in den Vorjahren die Kulissen und Kostüme für die Inszenierungen bei den Festspielen konzipiert; Arend Knoop ist also damit vertraut, die von der Bühnenbildnerin auf Papier gezeichneten und im Modell anschaulich gemachten Vorstellungen maßstabsgerecht „in echt" entstehen zu lassen.

(Bild oben: Ole Kwiatkowski (rechts) packt mit seinen Helfern Wilhelm Knoop (links), Kim Kroll, Tim Schwardt und Jürgen Nawrotzki (hinten rechts) kräftig an, um die Holzelemente im ehemaligen Kuhstall sorgsam zu lagern.(c)NEF)

Dass dabei gelegentlich die Praxis andere Wege nahelegt, als in der der Planung vorgedacht, gehört zum Alltag in der Werkstatt. Arend Knoop: „Dann telefonieren wir und sprechen die notwendigen Änderungen ab. Ich sage immer: Wir haben keine Probleme, wir bewältigen sie."

Spätestens Mitte April sollen alle Einzelteile für die Bühnenbilder produziert und aus Langenhagen nach Eutin transportiert sein. Dann werden darin Dachlatten in einer Gesamtlänge von 2.5 Kilometer, 170 Sperrholzplatten in einer Grundfläche von 600 Quadratmetern und rund 30.000 Schrauben verbaut sein, um nur einige Zahlen für den Materialbedarf zu nennen.

Vorsstellung Kulisse 2018 Ursula Wandaress c NEFSpezielle Anforderungen stellte die Vorgabe von Ursula Wandaress, für die Pariser Salonszenen in „La Traviata" eine Reihe von Spiegelflächen in den Kulissenbau zu integrieren. Da die Bühnenbilder stabil und wetterfest genug sein müssen für den schnellen und wiederholten Auf- und Abbau, kam Glas nicht in Frage. Arend Knoop testete mehrere Ersatzlösungen aus selbstklebender Spiegelfolie auf seine einfallsreiche Art: „Ich habe ein Muster ein Wochenende in die Badewanne gelegt, das hielt das überhaupt nicht aus. Ein anderes schlug Wellen, aber das dritte hielt alles aus. Das nehmen wir jetzt."

Der nächste Arbeitsschritt erfolgt im alten Kuhstall an der Opernscheune: Dort werden die Holzteile grundiert, bevor der bei den Festspielen bereits erprobte Bühnenmaler Alp Arslan Tokat ihnen die endgültige Farb- und Dekorgebung verpasst. Das geschieht dann überwiegend schon auf der Freilichtbühne, wo Anfang Mai bereits der Spielboden und das Grundgerüst der Kulissen fest installiert werden sollen. Alles nicht so ganz einfach, weil die Bühnenfläche von Natur aus nicht eben ist. Aber Arend Knoop ist gewohnt optimistisch: „„Das wird noch eine ordentliche Anstrengung, aber wir haben genug Erfahrung, die Spielstätte rechtzeitig herzurichten."

(Bild rechts: Ursula Wandaress und Intendantin Dominique Caron begutachten das Modell, nach dem das Bühnenbild für „My Fair Lady“ von Arend Knoop und seinem Team bis Anfang Mai hergestellt wird. (c)NEF)

13.03.2018

Wie Dominique Caron das Ensemble für die 68. Spielzeit formt

Hardy Rudolz Dominique Caron  13.03.2018Von Chile bis Finnland, von Portugal bis Australien – so weltumspannend wie selten zuvor sind viele Hauptrollen bei der Eutiner Festspielen im kommenden Sommer besetzt. Intendantin Dominique Caron, als gebürtige Französin mit US-Staatsbürgerschaft und deutscher Berufskarriere selbst Weltbürgerin, freut sich auf das internationale Sängertreffen an der Freilichtbühne: „Ich bin sicher, dass sich unser Ensemble schnell zusammenfinden und mit hoher künstlerischer Qualität das Publikum begeistern wird.“

Seit Oktober war sie auf der Suche nach den passenden Solisten für die Verdi-Oper und für das Musical „My Fair Lady“, letzteres oft im Duett mit ihrem Regie-Kollegen Hardy Rudolz. Caron hat sich diverse Aufführungen in deutschen Opernhäusern angesehen, hat Künstleragenturen kontaktiert, hat bei zahlreichen Vorsing-Terminen in Hamburg und in Musikhochschulen nach ihren Idealbesetzungen geforscht. Ihr Anspruch dabei: „Ich muss fest überzeugt sein, dass ein Sänger, eine Sängerin auf die Bühne hier in Eutin passt und das Publikum fesseln kann. Das herauszufinden ist mein Steckenpferd und Beruf.“
Bei der Auswahl der Solisten hat die Opernexpertin neben Kriterien wie Teamfähigkeit, Wetterfestigkeit und Bühnenpräsenz eine ganz eigene Sichtweise fürs große Ganze entwickelt: „Ich suche nach Künstlern, die miteinander agieren und sich gegenseitig zu Höchstleistungen anspornen. Denn was hat ein guter Sänger und erst recht das Publikum davon, wenn die anderen gegen ihn abfallen?“
Keine ganz großen Namen, aber immer große Stimmen und große Talente – das ist seit Jahrzehnten die Güteklasse der Eutiner Festspiele. Caron verspricht, in der 68. Spielzeit diese Tradition fortzusetzen. Das gilt besonders für das tragische Liebespaar in „La Traviata“: Die lange in Magdeburg tätige Sopranistin Hale Soner reist aus Istanbul an, um auf der Freilichtbühne die Hauptfigur Violetta Valéry zu verkörpern, aus Santiago de Chile stammt der Tenor Carlos Moreno Pelizari, der Violettas Geliebten Alfredo Germont darstellt. Caron: „Beide werden in Gestalt und Stimmklang ein homogenes Duo bilden.“
Während Verdis Oper in italienischer Sprache gesungen wird, kommt das von Frederick Loewe komponierte Musical „My Fair Lady“ in deutscher Sprache zur Aufführung. Entsprechend dominieren in dieser Besetzungsliste Künstler deutscher Nationalität; die Hauptrolle der Eliza Doolittle interpretiert die junge Sopranistin Désirée Brodka, den Professor Higgins spielt der vielerorts erfahrene Bariton Guido Weber. Beide Sänger haben, ebenso wie das türkisch-chilenische Spitzengespann in „La Traviata“, diese Solo-Partien schon an mehreren Bühnen erfolgreich gestaltet.
Die Rollenerfahrung ist für die Eutiner Intendantin ein dicker Pluspunkt bei der Besetzungswahl. Caron: „Da wir nur wenig Zeit für die Proben haben, ist die Vertrautheit mit einer Hauptrolle von Vorteil.“ Als einziger aus dem neuen Ensemble hat Manos Kia, der in der „Traviata“ den Part von Vater Germont singt, eine Art Heimvorteil: Der deutsch-iranische Bariton ist schon mehrfach auf der Freilichtbühne aufgetreten. Ein Coup gelang Dominique Caron mit dem Engagement der Talk-op-platt-Moderatorin Gerlind Rosenbusch: Sie wird Mrs. Higgins verkörpern. Die komplette Besetzungsliste wird in Kürze auf der Internetseite der Eutiner Festspiele veröffentlicht.
Carons Vorfreude auf die im Juni beginnende Probenarbeit ist ebenso spürbar wie ihre Erleichterung, dass wichtige Personalentscheidungen nun getroffen und die Verträge für die Solorollen unter Dach und Fach sind. „Ein gutes Ensemble beflügelt jeden Regisseur. Sobald die Besetzung klar ist, kann ich mich auf die Rollengestaltung konzentrieren“, nimmt die Intendantin ihre nächste Arbeitsphase in den Blick - die Inszenierung von „La Traviata“.

23.02.2018

Festspiele gehen online mit dem Kartenverkauf

Saalplan EFSMit einem Sprung ins digitale Zeitalter haben die Eutiner Festspiele jetzt neue Vertriebswege für ihren Kartenverkauf eröffnet. Neben den bewährten Angeboten, Tickets in der Konzertkasse der Opernscheune sowie an den bekannten Vorverkaufsstellen zu erwerben, ist der Kauf nun auch direkt über die Internetseite der Festspiele (www.eutiner-festspiele.de) möglich. Ab sofort kann man dort jederzeit Tickets für alle Veranstaltungen im Juli und August auf der Freilichtbühne buchen – und wer will, kann seine online frisch erworbenen Karten oder auch Geschenkgutscheine gleich selber ausdrucken (print@home).
„Endlich können unsere Kunden selber online sehen, welche Plätze an ihrem Wunschtermin für „My Fair Lady" oder „La Traviata" noch frei sind. Mit wenigen Klicks können sie ihre Kartenwahl treffen, eine der bei Online-Bestellungen üblichen Bezahlarten angeben und dann die Tickets entweder bequem selber zu Hause ausdrucken oder sie sich wie gewohnt gegen eine geringe Versandgebühr von uns zuschicken lassen". erklärte Festspiele-Geschäftsführer Falk Herzog.
Der direkte Online-Verkauf ist für die meisten Kultur- und Sportveranstalter bereits Alltag, blieb aber für die Eutiner Festspiele aufgrund ihrer vorrangigen Konsolidierungsaufgaben bisher nur ein Wunschtraum. Zwar bot die Homepage der Festspiele Interessenten schon seit Jahren die Option, per Mail einen Kartenwunsch anzumelden, aber dann musste man auf die telefonische und postalische Bearbeitung der übers Internet angemeldeten Buchung warten. Falk Herzog: „Dieses Verfahren ist im Internet-Zeitalter einfach nicht mehr zeitgemäß. Aus vielen Telefonkontakten weiß ich, dass die meisten unserer Kunden bestens mit dem Computer vertraut sind. Viele haben in Buchungsgesprächen immer wieder verwundert gefragt, warum sie denn die Karten noch nicht selber wählen und ausdrucken können."
Mit der technischen Gestaltung des Online-Ticketsystems haben die Eutiner Festspiele das Lübecker Unternehmen bilettix beauftragt, das die Eutiner Festspiele durch ihr Schwesterunternehmen comfortticket umfassend betreuen läßt. „Wir haben bewusst eine mittelständische Fachfirma gewählt, die in der Region zu Hause ist, gute Referenzen im Kulturbereich hat und flexibel auf unsere Anforderungen reagieren kann. comfortticket verfügt über das notwendige Knowhow und hat uns mit seinem Angebot und der bisherigen Zusammenarbeit überzeugt", sagte Herzog.

Björn Schlesselmann, Geschäftsführer bei comfortticket, freut sich über die neu gewonnene Zusammenarbeit mit den Eutiner Festspielen: „Wir haben uns schon lange um diesen Auftrag bemüht und sind nun stolz, ein so traditionsreiches Unternehmen wie die Festspiele in die Zukunft begleiten zu dürfen."
Herzog betonte, dass der neue Online-Verkauf penibel die aktuellen Datenschutz- und Sicherheitsbestimmungen berücksichtige. Die Pflege der Kundendaten solle den Festspielen zudem helfen, Zielgruppen zu ermitteln. Er verspreche sich von dem neuen Vertriebsweg auch zusätzliche Gäste, die jetzt spontaner und bequemer Entscheidungen über einen Besuch der Festspiele treffen könnten.

Der Geschäftsführer hält darüber hinaus durch den Online-Verkauf auch einen Entlastungseffekt für die Konzertkasse in der Opernscheune für wünschenswert. Die Menge der telefonischen und persönlichen Anfragen übersteige in Spitzenzeiten oft die personellen Kapazitäten, zumal die Öffnungszeiten in der Vorsaison begrenzt sind. Herzog: „Die Konzertkasse bleibt natürlich mit den persönlichen Kontakten zu unseren Kunden die Herzkammer unseres Ticketverkaufs. Durch diesen zusätzlichen Vertriebskanal erhoffen wir uns jedoch eine Entlastung zu Spitzenzeiten. Denn wir dürfen angesichts der Vielzahl der Aufgaben für die Festspiele auch den Einsatz unseres Personals dort nicht überstrapazieren. Deshalb rechnen wir alle damit, dass die Investition in den Online-Verkauf in unserem Team frische Kräfte schafft für die notwendige Modernisierung der Festspiele."